NW 14.06.11
Ziel erreicht: Theesen entführt einen Punkt
0:0 gegen Frankfurt war das Highlight
Bielefeld (önki). „Einen Großen wollen wir ärgern“, lautete die Devise vom Theesener U-17-Coach Tim Brossog im Vorfeld. Das 0:0-Unentschieden gegen den deutschen B-Jugend-Meister 2010 Eintracht Frankfurt darf somit als Erfolgserlebnis für den VfL-Nachwuchs interpretiert werden. Nach einem sehr ängstlichen Turnierauftakt gegen die dynamischen Gäste von Namibia (0:2) und St. Petersburg (0:3) prophezeite Tim Brossog noch, dass sein Team mehr könne. Mit einem Dreier gegen schwache Dortmunder wäre sogar das Erreichen des Spiels um Platz fünf möglich gewesen, das Team von der Gaudigstraße unterlag aber unglücklich mit 0:1.
Am Finaltag sah zunächst alles nach einem Happy End gegen den AZ Alkmaar aus, als Aytürk Gecim und Sinan Aygün das Team von der Gaudigstraße mit den ersten Turniertoren 2010 mit 2:0 in Front schossen. „Leider ist uns zum Schluss die Luft ausgegangen“, bedauerte der Coach des Westfalenligisten nach dem 3:4-Endstand. Patrick Ruske hatte für die Roten zum zwischenzeitlichen 3:3 eingenetzt. Am Ende sprang für den Gastgeber nach dem sensationellen achten Rang im Vorjahr nur Platz zehn heraus. „Dafür war es ein einmaliges Lernerlebnis für meine Jungs“, betonte ihr 25-jähriger Trainer.
WB 14.06.11
Der Thom macht die Musik
»Habt Ihr Bock oder habt Ihr keen Bock«, berlinerte Ex-Profi Andreas Thom beim 0:1-Halbzeitrückstand gegen Arminia. Foto: Jörg Manthey
Sturm-Legende aus Herthas »Kompetenzteam« gibt den Ausbilder
Bielefeld (WB/jm). Bei der alten Dame Hertha saß der Star auf der Bank: Trainer Andreas Thom (45), zehnmaliger DFB-Nationalspieler. Thom, früherer Torschützenkönig des BFC Dynamo, war nach der Wende der erste Spieler, der aus der DDR-Oberliga in die Fußball-Bundesliga wechselte. Für eine Ablösesumme von 2,5 Millionen D-Mark heuerte er damals bei Bayer Leverkusen an. Sein letztes Meisterschaftsspiel bestritt die »Legende« aus Herthas Kompetenzteam am 7. März 2001 für Hertha BSC Berlin II.
Erstmals fungiert Thom als Chefcoach im Nachwuchsbereich; eine »sehr interessante Aufgabe«. Als Vizemeister der B-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost hinter Werder Bremen hatte der Hauptstadt-Verein knapp die Qualifikation für die DM-Endrunde verpasst.
Als beim 0:1-Pausenstand gegen den DSC Arminia die Endrundenqualifikation gefährdet war, fand Thom passende Worte. »Habt Ihr Bock oder habt Ihr keen Bock?«, berlinerte der frühere Klassestürmer verärgert und durfte sich wenig später am Ausgleichstor von Moritz Klug erfreuen.
Für das Finale reichte es trotzdem nicht. »Kein Vorwurf an die Jungs. Das ist ein sehr gut besetztes Turnier. Und nach Elfmeterschießen auszuscheiden ist immer so eine Sache«, kommentierte er das unglückliche 6:7 im Halbfinale gegen Namibia. »Wir hätten gerne besseren Fußball gespielt. Aber die Saison war lang, und nach hinten raus haben die Kräfte gefehlt.« Gleichwohl war er zufrieden. »Wenn man die Jungs vor der Saison gesehen hat und jetzt, ist das schon ein Riesenunterschied. Da haben sich viele persönlich enorm weiterentwickelt. Aber ob's mal zum Profi reicht . . .«?
WB 14.06.11
Die schönsten Jubelszenen
Bielefeld (WB/jm). »Hoffentlich schießt Namibia noch viele Tore. Die jubeln so schön.« Theesens Roland »Teddy« Herholt konnte sich gar nicht sattsehen an den akrobatischen Einlagen der Afrikaner. Sein Tor zum 1:0 gegen St. Petersburg, das Namibia zum Gruppensieger machte, feierte Benson Shilongo mit einem perfekten Flicflac. Shilongo war es auch, der im Finale einen schön vorgetragenen Angriff mit dem entscheidenden Treffer krönte - der Doppelflickfack folgte. Und Herholt strahlte.
WB 14.06.11
Neuer aus Kanada fürs Mittelfeld
Turmbau zu Theesen, und »Elfmeterkiller« Karim Manaa ganz unten: Nach dem Halbfinalsieg war Arminias Welt in Ordnung. Foto: Jörg Manthey
Arminia verpasst dritten Turniersieg in Folge
Bielefeld (WB/jm). »Vielleicht hatten wir unser Glück im Halbfinale aufgebraucht«, kommentierte Arminias U 17-Trainer Tim Daseking leicht frustriert die 0:1-Endspielniederlage gegen Namibia.
Als es drauf ankam, fand er seine Crew »ein bisschen verkrampft«. Den Aktionen fehlte es an der nötigen Präzision. »Wir haben es nicht geschafft, Namibias Physis aus dem Spiel zu nehmen. Die standen tief. Wir kamen nicht in den Rücken der Viererkette.«
So verpassten es die »Blauen« auch, Turniergeschichte zu schreiben. Nach den Siegen in 2009 und 2010 sollte das Triple her. Das war zuvor noch keiner Mannschaft in Theesen geglückt. Ungeschlagen marschierte der Bundesligist ins Endspiel. In der Vorschlussrunde konnte Hertha BSC nach der regulären Spielzeit (1:1) mit 5:4 nach Elfmeterschießen ausgeschaltet werden. Zunächst verpasste Tugay Yilmaz beim Stand von 4:3 die Entscheidung; er verschoss. Als Khalil Kleit besser zielte und Karim Manaa seinen zweiten Strafstoß parierte, kam es zum menschlichen Turmbau zu Babel.
»Sensationell« und »überragend«, so Daseking, habe der DSC den Gruppensieg errungen. »Die erste Halbzeit beim 2:1-Sieg gegen Basel war perfekt«, schwärmte er. »Mitunter haben Kleinigkeiten entschieden. Die wir uns aber vorher erarbeitet haben.«
In der kommenden Westfalenliga-Saison hat die U19-Mannschaft den Auftrag, die direkte Rückkehr ins Oberhaus zu schaffen. Hoffentlich hat sich die Siegermentalität bis dahin nicht verflüchtigt. »Zwischen dem letzten Spiel der A-Junioren-Bundesliga und dem ersten Spiel der A-Junioren-Westfalenliga liegen 17 Wochen. Die Serie beginnt erst am 18. September«, sagt Tim Daseking, der fortan von Peter Slavov als »Co« unterstützt wird.
Stammkräfte wie Hakan Baris, Mustafa Hariri oder Marvin Höner haben sich vom »Bielefelder Weg« überzeugen lassen und halten dem Klub die Treue. Nach den Abgängen von Eric Naroska (Bückeburg), Marcel Czinski und Simon Wenzel (zurück zum VfR Wellensiek) erhält das Team Zuwachs aus Kanada: Chris Royal, ein »glänzender Mittelfeldspieler« (Daseking), zieht ins Internat ein. Der 18-Jährige hatte in der Hinserie mittrainiert, aber erst noch in Calgary seinen Schulabschluss hinter sich gebracht.
Interview mit Tim Brossog:
Seit wann bist du beim VFL Theesen? Ich bin seit den „Minis“ ein Theeser Jung und bin seit 20 Jahren im Verein, seit sieben Jahren arbeite ich hier als Trainer. Ich habe von der Picke auf alles mitbekommen und einige Aufstiege aktiv miterlebt.
Was hält einen 25-jährigen so lange bei einem Verein?
Der Verein an sich! Was mir immer wichtig war und auch immer noch ist, ist die Identität mit dem was man tut. Hier habe ich das Fußballspielen gelernt und will es jetzt jungen Talenten weiter geben um ihnen ein Sprungbrett Richtung Profifußball zu geben. Theesen ist einer der wenigen Vereine in OWL, der den Spagat zwischen familiärem Ursprung und Leistungsfußball bewahrt hat.
Welche Stationen hast du als Trainer und Spieler beim VFL durchlaufen?
Als Spieler von Minikicker bis 1. Seniorenmannschaft und als Trainer von E Jugend über D Jugend bis jetzt zur B Jugend.
Was ist der große Unterschied vom letzten Jahr D – Jugend zu diesem Jahr U17 B1 Jugend?
Das sind gravierende Unterschiede, vom „goldenen Lernalter“ der 12 – 13 Jährigen, wo es viel um spielerische und weniger um taktische Aspekte geht, bis hin zum Umgang mit Spielern. Früher war ich eher die „Vaterfigur“ die Spieler in den Arm genommen hat, heute bin ich eher ein Kumpeltyp, der sich mit Spielern austauscht und auch teilweise Lösungsansätze für individuelle Spielsituation finden muss. Insgesamt kann man viel komplexere Trainingseinheiten entwickeln und den Jungs viel mehr abfordern.
Was kannst du zu deinem ersten Jahr Westfalenliga sagen?
Eine völlig neue Erfahrung für mich. Wenn zum Ende der Hinserie nur drei Zähler auf dem Konto stehen, sieht das natürlich sehr erschreckend aus, trotzdem hat mich das als Trainer weiter gebracht um noch akribischer zu arbeiten und zu analysieren . Die Rückserie läuft wesentlich besser und ich bin der festen Überzeugung, dass wir am Ende der Saison über dem Strich stehen um im nächsten Jahr weiter „Zweitligafußball“ in Theesen zu spielen.
Wie wird dein weiterer Werdegang im Verein aussehen?
Ich will auf jeden Fall weiter höherklassig trainieren und das ist hier im Verein gegeben, es ist zwar ein extrem hoher Aufwand der mir hier als Trainer abgefordert wird um diese Ligen zu halten, trotzdem ist es Jahr für Jahr spannend Talente aus den eigenen Reihen und einige externe Talente aus der Region zu einer homogenen Einheit zu formen und weiter zu fördern.
Was waren deine größten Erfolge als Trainer?
Der U13 Bezirksligatitel vor Leistungszentren wie Paderborn oder Arminia im letzten Jahr war der bis dato schönste Erfolg. Titel sind für mich aber eher sekundär, da für mich die Ausbildung der jungen Talente im Vordergrund steht, um am Ende der Saison sagen zu können dass sich die Jungs auch individuell entwickelt haben und nicht nur fußballerisch.
Was erwartest du von deiner Mannschaft bei diesem hochklassigen Turnier?
Wir werden uns sicher nicht verstecken und wie das Kaninchen vor der Schlange davon laufen. Ich traue meinem Team einiges zu und wir werden sicherlich den einen oder anderen Punkt einfahren.







