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Klee nimmt sich »Auszeit«
Theesens B-Juniorentrainer wird neuer Sportlicher Leiter
Bielefeld (WB/jm). 30 Stunden Fußball in der Woche. »Ich wachse immer weiter nach vorne, finde keine Zeit mehr, selber etwas für mich zu tun«, erläutert Theesens B-Juniorentrainer Wolfgang Klee (54) seinen Entschluss, ab Juni eine »Auszeit« einzulegen.
Wobei: So ganz ohne Fußball geht es wohl doch nicht. Klee, dessen Nachfolger als B-Juniorencoach Tim Brossog wird, nimmt zur kommenden Saison den neu installierten Posten »Sportlicher Leiter der Theesener Fußballjunioren« ein. Ein bisschen Frust schwingt mit, wenn er sagt: »Der Fußballverband fordert für die Westfalenliga eine Lizenz. Ich habe keine. Da wird eine Akademisierung vorangetrieben, die ich nicht gutheiße. Ich bin kein Student oder Lehrer. Wie soll ich drei Wochen Zeit finden, um an einem Lehrgang teilzunehmen«?, fragt der Referent in Bethel.
Da Klees Team keine Langzeitverletzten zu beklagen und er fast jedes Jahr einen Titel vorzuweisen habe, »kann meine Trainingsanlage wohl nicht so unvernünftig sein«. Der künftige Sportliche Leiter möchte Einfluss nehmen und Jungtrainern kompetente Hilfestellung geben in Sachen Trainingsintensität und -steuerung sowie das Sichtungssystem verbessern. »Unser Scouten muss besser koordiniert werden. Es geht darum, in Bielefeld und nicht im Mindener oder Gütersloher Raum Leute mit Perspektive zu finden, die wir hier verheimaten können«.
Fußballer, Mannschaftsspieler, sind für den gebürtigen Sauerländer »bessere Menschen. Für mich ist Fußball eine gesellschaftlich sinnvolle Sportart, gut fürs Leben«, hebt Wolfgang Klee die Erziehung zu Teamfähigkeit, Pünktlichkeit, Fairness oder Leistungsbereitschaft hervor.

Wenn „Pfiffer“ durchruft - Haselhorst ist stolz auf sein Organisations-Team
Bielefeld (dete). Zum gefühlt zwanzigsten Male klingelt das Handy in der Sprecherkabine auf dem Theesener Sportplatz. Michael Haselhorst ist dran. „Habt ihr noch genug Kugelschreiber da?“, fragt er.
Ein kurzes „Ja“ beantwortet die scheinbar unwichtige Frage des Turnierdirektors. Höflich bedankt sich dieser und legt auf.
„Pfiffer“, wie Haselhorst an der Gaudigstraße, dem Herz des VfL Theesen, nur gerufen wird, ist ein Perfektionist. „Die Qualität unseres Pfingstturniers ist schon sehr hoch“, sagt er selbstbewusst – zu Recht.
Wenn die Bundesligastars von morgen an die Gaudigstraße pilgern, liegt ein Jahr harte Arbeit hinter dem Organisations-Team. Kontakte knüpfen, neue Ideen entwickeln – die Planungen für das Pfingstwochenende ruhen nie.
„Ohne die fast 50 Helfer wäre das alles niemals zu realisieren“, erklärt Haselhorst. Dabei vergisst er niemanden: „Weder der, der morgens den Hof fegt, noch der, der mittags das Essen austeilt, ist hier zu ersetzen.“
Ebenso wenig zu ersetzen sind jedoch die finanziellen Einnahmen, die der VfL Theesen durch sein Vorzeigeturnier erzielt: „Das ist die Basis für den Etat unserer großen Jugendabteilung“, erklärt „Pfiffer“.

»Ich fordere Disziplin ein und lebe sie vor«
U 17-Bundestrainer Stefan Böger schaut zu
Bielefeld (WB/jm). Besuch vom DFB: Der Abstecher von U 17-Bundestrainer Stefan Böger (43) an die Gaudigstraße unterstrich, wie anerkannt das spitzenmäßig besetzte Turnier auch beim Verband ist.
»Ich bin weniger wegen des sportlichen Wertes hier«, relativierte der Ex-Profi (Carl-Zeiss Jena, Hansa Rostock, MSV Duisburg, Fortuna Köln, FC Gütersloh, Hamburger SV). »Mein Eindruck ist, dass die Spieler sehr müde sind«. Vielmehr nutze er die Zeit, neue Kontakte zu knüpfen oder alte aufzufrischen. Böger kam eigens aus den Niederlanden, wo er U 19-Bundestrainer Horst Hrubesch in der Eliterunde assistierte.
DFB-Sportdirektor Matthias Sammer schwärmt über den viermaligen DDR-Nationalspieler und Ex-Leiter des Hamburger Nachwuchs-Leistungszentrums: »Neben einer großen Fußball-Fachkenntnis zeichnet ihn eine unglaubliche Besessenheit aus«.
Bögers letzte Trainerstation vor seinem DFB-Engagement war Holstein Kiel. »Nachwuchsarbeit ist immer langfristig zu sehen. Doch das Wort Philosophie ist arg strapaziert«. Auch der DFB habe eine Ausbildungsphilosophie, eine Grundkonzeption. »Ich finde, dass Spieler gerade im B-Jugendalter nicht zu früh und zu eng in ein Korsett geschnürt werden sollten. Man muss ihnen Freiräume lassen«. Anders sei es bei der Erziehung. »Ich fordere Disziplin ein und lebe das auch vor«.
Grundsätzliche Aufgabe der Vereine, die in Theesen am Start waren, sei es, möglichst viele Spieler innerhalb kürzester Zeit an den Profibereich heranzuführen. »Dafür sind sehr gut ausgebildete Trainer das A und O«.
Dass Deutschland ohne Michael Ballack die WM bestreiten muss, ficht Böger nicht weiter an. »Ich bin von meiner Persönlichkeit so gestrickt, dass ich kein Jammertyp bin und auch in der größten Not das Positive herausfiltere. Ballacks Aus ist eine Herausforderung und ermöglicht uns neue Perspektiven«. Andere müssten sich nun »ein Stück weiter heraustrauen und den Schritt, den sie ohnehin tun werden, jetzt gehen«. Ein Özil etwa hätte das Zeug, zum Star zu reifen. Deutschland sei als Turniermannschaft allemal zu beachten. Auf dem eigenen Kontinent traut Stefan Böger einer afrikanischen Mannschaft den Sprung ins Halbfinale zu.
Seine persönliche Verbindung zu Südafrika: »Ich habe mal zehn Tage bei den Kayzer Chiefs hospitiert und gespürt, wie Ernst Middendorp dort den europäischen Spirit vermittelt hat«.

Almbuben holen Theesener Duo
Bielefeld (WB/jm). »Ich bin froh, dass ich diese Chance endlich bekommen habe«: Moritz Fritz vom A-Junioren-Westfalenligisten VfL Theesen schließt sich in der kommenden Saison der U 19 des DSC Arminia an. »Für den Spielaufbau. Als Sechser oder als einer von zwei Achtern«. Mitja Schierbaum, noch Jungjahrgang und in Theesen ein »typischer Außen«, möchte »höher spielen« und beim benachbarten B-Junioren-Bundesligisten »mehr lernen«.

Weltreisender in Sachen Fußball
Jan Pruijn vermittelt Ajax-Philosophie
Bielefeld (WB/jm). Er hat das Coaching-Abzeichen des Königlich Niederländischen Fußballverbandes: Jan Pruijn (51), seit 2008 Technischer Direktor von Ajax Cape Town, ist ein wandelndes Reservoir an Wissen über die neuesten Entwicklungen des Fußballs.
»Südafrika lernt von unserer Fußball-Nation, entwickelt sich so von unter Mittelmaß zu internationalem Standard«, erläutert Pruijn, dessen Leidenschaft es ist, das Know-How der bewährten Nachwuchs-Philosophie Ajax Amsterdams in die weite Welt zu tragen. »Ajax hat eine der besten Philosophien überhaupt. Sie ist der zentrale Punkt, der rote Faden, der jeden Tag jedem Spieler in den Kopf gebracht wird. Wir sind wie eine Familie. Jeder weiß um seinen seinen Platz.«
Initiiert von Sebastian Scherer, damals für Arminias U 16 verantwortlich, referierte er 2007 bei einer zweitägigen Fortbildung vor 28 Almbuben-Trainern und verriet, dass bei Ajax bis zur U 16 im 3-4-3-System und erst danach im bekannten 4-3-3 gespielt werde. Dass Kritik möglichst positiv verpackt werde. Oder dass in der E-Jugend ausschließlich Stürmer geholt würden, die dann auf anderen Positionen »umerzogen« werden. Der Coach-Instructor, zu jener Zeit Scout des FC Everton, fütterte die Bielefelder mit unbekannten Trainingsformen und reichlich Theorie über die wesentlichen Merkmale der Ajax-Philosophie. Pruijns Weg ist es, professionelle Organisationsstrukturen zu schaffen. Ajax-Niederlassungen gibt oder gab es in Südafrika, Ghana oder Belgien. Pruijn wirkte genauso in Japan, Shanghai, Potugal, England oder der Schweiz.
Südafrika sei »atemberaubend schön. Den Tafelberg und Kapstadt muss man gesehen haben«, schwärmt der International Youth Development-Manager von Ajax. 1999 kaufte Ajax Amsterdam Anteile an den beiden Vereinen Seven Stars und Cpae Town Spurs und bildete aus ihnen einen neuen Verein mit dem Ziel, afrikanische Talente vor Ort auszubilden. Mehr als 70 Spieler von Ajax Cape Town hätten seit 1999 den Sprung in den Profifußball geschafft.
Ajax Cape Town um den südafrikanischen Nationalspieler Shanton Weir weilte zum ersten Mal überhaupt in Deutschland. Auch wenn die Gäste in der Gruppenphase ohne Torerfolg blieben, so waren sie knapp drei Wochen vor Beginn der WM doch ein interessanter Farbtupfer an der Gaudigstraße.
»Es sind durchaus Talente dabei«, sagt Jan Pruijn über Ajax Cape Town. Denen stehe aber oftmals die südafrikanische Mentalität im Weg. »Sie sind zu schnell satt. Wenn sie in Cape Town sind, reicht es ihnen. Sie sind taktisch nicht clever, zu verspielt. Die weitere Entwicklung hin nach Europa ist mit Arbeit verbunden. Und Arbeit ist nicht gerade ihr Ding«.
Jan Pruijn freut sich auf eine für ihn spezielle WM. »Direkt vor meiner Haustür. So kann ich viele Spiele sehen. Und die Niederlande sind ja auch dabei, übrigens mit sechs, sieben Spielern aus der Ajax-Nachwuchsförderung«.

Auf den Spuren der Überirdischen
Cape Towns weiter Weg zur internationalen Spitze
Bielefeld (dete). Wir schreiben das Jahr 1995. Inmitten der immer bunter werdenden Fußballwelt ist in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam etwas herangewachsen, das erstaunt, verzückt – und vor allem dominiert: Als Louis van Gaal mit Ajax vor genau 15 Jahren das Champions-League-Finale gegen den AC Mailand gewinnt, stehen zehn Spieler auf dem Feld, die in der vereinseigenen Juniorenabteilung ausgebildet wurden, darunter spätere Weltstars wie Patrick Kluivert, Clarence Seedorf und Edgar Davids.
Sollte der Rekordmeister der Ehrendivision, damals von vielen Zeitungen als „überirdisch“ bezeichnet, noch einmal nach Europas Krone greifen, könnte es gut sein, dass das Gerüst des Teams von südafrikanischen Akteuren gebildet wird: 1999 rief der holländische Top-Klub am Kap der guten Hoffnung sein Projekt „Ajax Cape Town“ ins Leben. In der Wirtschaft wäre von einem Tochterunternehmen die Rede, die Bezeichnung Talentschmiede trifft es im Sport jedoch besser.
„Wir wollen hier möglichst viele spätere Profis ausbilden“, sagt Jan Pruijn. Der Niederländer leitet als technischer Direktor die Geschicke in Kapstadt und ist mit der Entwicklung seit 1999 zufrieden: „Es hat sich extrem viel verändert, mittlerweile ist alles sehr gut organisiert.“
Einmal im Jahr geht es mit der A- und B-Jugend im Rahmen einer Turnierreise raus aus Südafrika und rein nach Europa. Dieses Mal führte es das Team aus dem Gastgeberland der WM 2010 nach Theesen. Pruijn erklärt: „Wir wussten, dass der VfL hier ein perfekt organisiertes Turnier veranstaltet, deshalb sind wir sehr gerne gekommen.“ Der Erfolg beim Pfingstturnier hielt sich allerdings in Grenzen: Bis zum Spiel um Platz 9 erzielten die „Ajaciden“ keinen einzigen Treffer, kassierten dagegen acht. „Vor allem körperlich fehlt uns im Vergleich zu gleichaltrigen Europäern noch etwas“, gibt Pruijn offen zu, „trotzdem spielen wir schon einen technisch sehr versierten Fußball“.
Was den ehemaligen Scout vom FC Everton verärgert, ist die Außendarstellung Südafrikas vor der Weltmeisterschaft, „vor allem in der englischen Presse“, wie er meint: „Es ist bei uns nicht so gefährlich, wie immer berichtet wird. Im Gegenteil: Wir freuen uns auf die WM, auch wenn die Straßen noch nicht in den Landesfarben geschmückt sind, wie es in Holland der Fall ist.“ Ein bisschen fehlt halt noch zum großen, orangenen Bruder.
Diamantenfieber in Südafrika: Trainer Shawn Bester und Jan Pruijn von Ajax Cape Town wollen ihre Talente wie Michael Kwong (von rechts) zu späteren Profis ausbilden. FOTO: TIMM DETERING

VfL auf Augenhöhe mit den Großen
Theesen schafft achten Platz / Daseking glücklich
Bielefeld (önki). Wie jedes Jahr freut sich der Gastgeber VfL Theesen über den internationalen Besuch an der Gaudigstraße, will sich aber auch nicht vor den Gegnern verstecken. „Wir haben mit den Jungs verabredet, dass wir das Halbfinale erreichen wollen“, lautete die Zielsetzung von B-Jugend-Coach Wolfgang Klee. Klingt mutig, war aber gar nicht so unrealistisch.
Nach den sensationellen Resultaten vom Samstag (1:1 gegen Frankfurt und 2:0 gegen den BVB) schien das selbst formulierte Ziel greifbar nahe. „Leider waren wir dann gegen Donezk und Basel nicht abgebrüht genug, um weiter zu punkten“, sagte Klee, der seiner Mannschaft jedoch im Gesamtfazit ein Riesenlob aussprach. „Der Abstand zu den Bundesligisten ist geschrumpft, es war kein Klassenunterschied erkennbar.“
Für Arminias U-17-Trainer Tim Daseking war das Turnier ebenfalls ein Highlight, hat er letztes Jahr doch selbst noch die Theesener B-Jugend gecoacht und spielt zudem in der Landesligamannschaft des VfL. „Natürlich ist es ein besonderes Erlebnis vor vielen Freunden und Bekannten den Titel für Arminia zu holen“, so Daseking, der sich durch den Sieg für die gute Entwicklung seiner Spieler bestätigt fühlt. Bemerkenswert ist auch, dass der DSC mit nur zwölf Feldspielern und zu zwei Dritteln mit Spielern des jüngeren Jahrgangs das Turnier absolvierte.